Orientierungstauchen
Teamgeist, Geschwindigkeit und Präzision
Was ist Orientierungstauchen?
Das Orientierungstauchen ist eine moderne und ganz besonders spannende Sportart, allerdings hauptsächlich für die Teilnehmer selbst. Eine am Körper des Tauchers befestigte Schwimmboje zeigt den Zuschauern zwar den Kurs des Tauchers an, doch kann die Faszination nicht in vollem Maße auf den nicht Eingeweihten übertragen werden, weil das meiste Geschehen eben unter Wasser stattfindet. Das ist auch der eigentliche Grund dafür, dass in den Medien (vor allem im Fernsehen) wenig berichtet werden kann.
Orientierungstauchen wird in freien Gewässern ausgeübt, wobei es sowohl um Geschwindigkeit als auch um Präzision geht. Ausdauer und Kondition sind daher ebenso notwendig wie gewissenhaftes und präzises Vorgehen, woraus sich der besondere Reiz dieses Sportes ableitet.
Der Orientierungstaucher muss — bewaffnet mit Tauchermaske, Flossen (üblicherweise spezielle Monoflossen aus Fiberglas), einer Körperboje und einem Pressluftgerät, das er vor sich herschiebt und auf dem sich ein Kompass und ein Streckenzähler befinden — in kürzestmöglicher Zeit einen Parcours von ca. 650 m Länge von im Wasser gesetzten Bojen absolvieren. Die Bojen, die vom Veranstalter kurz vor dem jeweiligen Bewerb ins Wasser gesetzt werden und je nach Disziplin unterhalb und oberhalb der Wasserlinie, bzw. auch nur oberhalb oder unterhalb sichtbar sind, müssen vom Taucher mit geodätischen Instrumenten vom Ufer aus vermessen werden, um die Kursdaten für die erfolgreiche Suche unter Wasser zu bekommen.
Wie beim Flossenschwimmen werden sowohl nationale (z.B. Österreichische Staatsmeisterschaften) als auch internationale Veranstaltungen durchgeführt. Außerdem finden alljährlich fünf bis sechs Worldcup-Bewerbe statt, sowie im Zweijahresrhythmus abwechselnd Europa- und Weltmeisterschaften.
Die Bewerbe im Orientierungstauchen
Bei dieser Sportart, die in mehreren Disziplinen ausgetragen wird, muss ein meist 650 m langer Unterwasserparcours, der durch Bojen in einem See abgesteckt ist, in kürzestmöglicher Zeit durchtaucht werden.
Alle Bewerbe sind international nach den Reglements des Welttauchverbandes CMAS vereinheitlicht. Die Taucher werden in bestimmten Zeitintervallen vom Start gelassen, wobei die Bojen je nach Disziplin unter Wasser bewegt oder umrundet werden müssen. Der Taucher muss während des gesamten Bewerbes unter Wasser bleiben, das Auftauchen eines Körperteiles führt zur sofortigen Disqualifikation. Das Auffinden der Bojen wird meist durch schlechte Sicht unter Wasser (1 bis 1 ½ Meter) bzw. durch manchmal vorhandene Strömungen erschwert. Die einzige erlaubte Orientierungshilfe besteht aus den notierten Kurswerten (Richtungen und Strecken), die zum Absolvieren des Kurses in kürzestmöglicher Zeit anhand des mitgeführten Kompasses und des Streckenzählers möglichst genau eingehalten werden müssen. Unpräzises Schwimmen (eigentlich Tauchen) bzw. Suchen nach den Bojen geht natürlich auch auf Kosten der Zeit. Der richtige Kurs kann vom Schiedsrichter anhand einer mit dem Taucher verbundenen, mitgezogenen Boje kontrolliert werden. Das Ziel ist je nach Disziplin durch eine Boje oder durch eine Zielleine, die mit möglichst geringer Abweichung passiert werden muss, definiert. Sieger ist, wer den Kurs in der kürzesten Zeit bewältigt. Aufgrund der starken internationalen Konkurrenz hat heute nur noch jener Taucher Siegeschancen, der sowohl mit vollem Krafteinsatz als auch mit größter Präzision ins Ziel kommt.
5-Punkte-Kurs

Fünf im Wasser gesetzte Bojen müssen in der richtigen Reihenfolge unter Wasser gefunden und bewegt werden. Sieger ist derjenige, der den Kurs in kürzester Zeit bewältigt.
M-Kurs

Drei in M-Form gesetzte Bojen, die unter Wasser jedoch nicht sichtbar sind, müssen jeweils auf der richtigen (äußeren) Seite umrundet und das Ziel mit größtmöglicher Genauigkeit erreicht werden. Gewertet werden sowohl die Zeit als auch die Abweichung im Ziel.
Stern-Kurs

Kombination aus 5-Punkte- Kurs und M-Kurs. Fünf Bojen, die gefunden werden müssen, und fünf Bojen, die richtig zu umrunden sind, in sternförmiger Anordnung. Gewertet wird die kürzeste Zeit.
MONK-Bewerb
Fünf Bojen, die nur unter Wasser sichtbar sind, müssen von jeweils zwei Tauchern in kürzestmöglicher Zeit gefunden werden. Die Vermessung erfolgt in diesem Falle unter Wasser anhand eines vom Veranstalter beigestellten Planes.
Mannschaftsbewerb

Vier Taucher starten von vier verschiedenen Startbojen (1 bis 4). Jeweils zwei Taucher müssen sich an bestimmten Bojen (A1 bzw. A2) treffen, bevor sie gemeinsam weitertauchen dürfen. Wenn sich diese beiden Paare bei einer weiteren Boje (B) getroffen haben, dürfen sie gemeinsam ins Ziel schwimmen, wo die Zielgenauigkeit gemessen wird. Gewertet werden wie beim M-Kurs sowohl die Zeit als auch die Zielabweichung. „Verlorengegangene“ (nicht im Ziel eintreffende) Taucher bewirken kräftige Punkteeinbußen.
Parallelbewerb

Bei diesem Wettkampf treten zwei Taucher gleichzeitig auf identischen spiegelverkehrten Kursen gegeneinander im KO-System an. Der Schnellere ist Sieger und qualifiziert sich für die nächste Runde, der Verlierer scheidet aus dem Wettbewerb aus.
Kombinationsbewerb
Wertung der höchsten Punktesumme aus 5-Punkte-Kurs, M-Kurs und Stern-Kurs.
